PAULA MODERSOHN-BECKER
Filmplakat
Eine Schauspielerin wird gecastet, um die bedeutende Malerin Paula Modersohn-Becker zu verkörpern. Während sie sich immer tiefer in das Leben und Werk der Künstlerin hinein begibt, beginnen die Grenzen zwischen Rolle und Wirklichkeit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, nach und nach zu verschwimmen. Internationale Expert:innen und Biograf:innen begleiten diese Reise, werfen kunsthistorische Lichtblicke auf das Geschehen und treten dabei immer wieder in einen reflektierenden Dialog mit dem Film selbst. (Quelle: W-Film)
Eine Kurzkritik von Volker Schwennen
Der Film Wer weiß schon, was ein Leben ist? verweigert sich wohltuend den Routinen des klassischen Künstlerinnenporträts. Die Drehbuchautorinnen und Regisseurinnen Annelie Boroș und Vera Brückner erzählen Paula Modersohn-Becker nicht als kunsthistorisch fertiggestellte Figur, sondern als offene Frage. Schauspielerin Katharina Stark begibt sich zwischen Worpswede und Paris auf Spurensuche – und mit ihr ein Film, der Dokumentation, Fiktion und Reflexion ineinanderfließen lässt.
Das ist klug, weil es die historische Distanz nicht kaschiert, sondern sichtbar macht, was wir tatsächlich über einen Menschen wissen, dessen Briefe und Bilder geblieben sind, dessen Empfindungen wir aber nur noch deuten können. So wird Modersohn-Becker weder zur feministischen Heiligen noch zur tragischen Künstler:infigur verklärt. Stattdessen erscheint sie als eigensinnige Frau, die sich Freiheit nehmen musste, weil ihre Zeit sie ihr nicht zugestand.
Gelegentlich droht die Vielzahl der Ebenen etwas erklärfreudig zu werden, doch insgesamt trägt gerade diese hybride Form, denn der durchaus sehenswerte Spielfilm erzählt nicht nur von Paula Modersohn-Becker, sondern davon, wie wir uns ein Leben erzählen. Und damit bekommt sein schöner Titel eine zweite Bedeutung, denn vielleicht wissen wir nie endgültig, was ein Leben gewesen ist. Wir können uns ihm nur annähern – durch Bilder, Erinnerungen, Widersprüche und das, was von einem Menschen bleibt.